Sind geheime Mächte am Werk, die uns beherrschen wollen? Will man die Menschheit „chipen“, um sie zu kontrollieren? Ist die Erde rund oder eine Scheibe? In den letzten Monaten haben sich Verschwörungstheorien, Aberglauben und Ängste verschiedenster Art breit gemacht. Nun, man kann daran glauben oder nicht, hier soll beleuchtet werden, wie Komponisten in der Vergangenheit mit dem Phänomen Aberglaube umgegangen ist. Anlass dazu ist der am 10. August ausgerufenen „Tag des Hexenwahns“, dem weltweit gedacht werden soll.

Hexen haben Komponisten und Dichter schon immer fasziniert und viele Werke kreisen um diese Wesen. Märchen und Sagen werden erzählt und so manche Gruselgeschichte ist seit Kindertagen in Erinnerung. Vergessen soll man aber nicht, dass der Hexenwahn auch tausende Todesopfer – meist Frauen – gefordert hat. Gefoltert durch die „peinliche Befragung“ gestanden nicht wenige, sich mit dem Teufel eingelassen zu haben. Es waren dunkle Zeiten, die hoffentlich nicht wiederkehren. Die Saga Candida von Bert Appermont behandelt ein solches Geschehen, ebenso der erste Satz des Werkes Tales and Legends des Schweizer Komponisten Etienne Crausaz.

Inspiriert durch den Roman von EVELINE HASLER verfolgt das Werk Anna Göldin von Jean-Claude Kolly schrittweise das tragische Leben der vermeintlichen Hexe, die als letzte Frau Europas verbrannt wurde. Eine Musik mit viel Ausdruck, bei der das persönliche Empfinden der damaligen Ereignisse eine primäre Rolle spielt. Tragisch ist auch der Roman von Ulrike Scheikert, die den Komponisten Steven Reineke zu der Komposition The Witch and the Saint anregte. Darin wird eine Geschichte aus dem Jahr 1588 einer angesehenen Wirtsfamilie erzählt, der Zwillingsmädchen geboren wurden. Während die tugendhafte Helena ins Kloster geht, wird ihre eigenwillige Zwillingsschwester Sibylla Hebamme. Sie lernt die dunklen Geheimnisse der Mächtigen kennen und wird zur Gefahr. Die Häscher der Inquisition rüsten zur Hexenjagd.

Klassische Komponisten wie Guiseppe Verdi mit dem Ballett der Hexen (aus der Oper Macbeth) näherten sich dem Thema ebenso, wie Engelbert Humperdinck in seiner berühmten Kinderoper Hänsel und Gretel. Edvard Grieg gedachte der Hexen mit In the Hall of the Mountain King und Giacomo Puccini mit dem Hexentanz aus der Oper Le Villi. Nicht zu vergessen Modest Mussorgsky mit seinem Werk Die Nacht am kahlen Berge vertreten. Mussorgsky selbst unternahm keine Schritte, um sein Meisterwerk bekannt zu machen, und erst nach seinem Tod, als Rimsky-Korsakov den riesigen Stapel von Manuskripten durchsuchte, tauchte das Werk wieder auf. Über der Partitur gibt Mussorgsky eine kurze Beschreibung der Geschichte von Nacht auf einem kahlen Berg: Die Versammlung der Hexen, ihr Klatsch und Tratsch; Die Prozession des Satans; Die heidnische Anbetung des Satans und der Hexensabbat.

Es gibt auch freundliche Hexen und Hexen, die allerhand Schabernack treiben. Wir haben Ihnen hier eine Liste von Werken zusammengestellt, die dem Hexenwahn verfallen sind.