„Dann erschallt des Bergmanns Gruß bei der Nacht“ – 200 Jahre Bergmusik an der Saar. Die Bergmusik ist vermutlich so alt wie der Bergbau selbst. Wenn es dafür auch erst im 16. Jahrhundert schriftliche Zeugnisse von Agricola gibt, so ist anzunehmen, dass schon in den Anfängen des Bergbaus Lieder angestimmt wurden. Beim so genannten „Wilden Kohlegraben“, als man die Steinkohle noch am Ausgehen der Flöze ganz in der Nähe der Erdoberfläche fand. Wozu das Singen? Aus den gleichen Gründen wie später bei deutlich härteren Bedingungen unter Tage. Die Musik nahm der schweren, anstrengenden Tätigkeit die Monotonie, sie half in der Gruppe die Strapazen langer Schichten zu ertragen und schuf ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Mitunter war der Gesang wohl auch ein Mittel gegen die Angst in der Einsamkeit, gegen die Gefahren in der Dunkelheit der Strecken und Strebe tief in der Erde. Wer bei spärlichem Licht schon einmal einen düsteren Tunnel über mehrere hundert Meter durchschritten hat, kann dies nachvollziehen.

Kaum ein anderer Berufsstand pflegte sein Kulturgut so sehr und entwickelte es bis zur Perfektion weiter wie der Bergbau. Einfachen Reimen und Volksweisen folgten mehrstimmige Lieder bis hin zu anspruchsvollen, zeitgenössischen Kompositionen. War der gepflegte Chorgesang erst oberen Beamten vorbehalten, öffneten sich die Chöre später auch einfachen Bergleuten. Anders bei den Kapellen. Dort spielte von Beginn an jedermann mit, der ein Instrument besaß. Musiker aus dem Erzgebirge leisteten an der Saar wertvolle Aufbauarbeit.

In der über 260 Jahre währenden Ära des staatlichen Steinkohlebergbaus an der Saar erkannten die Betreiber und Eigentümer der Gruben recht früh das verbindende, emotionale Element der Musik und nutzten es, um die Belegschaft noch enger an die Branche zu binden. Nach der Schicht stand Probenarbeit an, am Wochenende traten die Bergleute auf. Dies schweißte zusammen. Äußere Zeichen wie die schmucken Knappenuniformen, dem Militär nachempfunden, hoben den musizierenden Bergmann aus der Masse hervor. In Verbindung mit seiner Frömmigkeit, der Kirche und den linientreuen Knappenvereinen schuf die Obrigkeit dem gläubigen Arbeiter so gezielt einen konservativen, kontrollierbaren Rahmen der Freizeitgestaltung. Den Auftritten der Chöre und Kapellen wuchs später sogar eine politische Dimension zu, betrachte man nur die Umdeutung des „Steiger“-Liedes im Nationalsozialismus.

Die Musik begleitete den Bergmann das gesamte Berufsleben hinweg. Angefangen von der Einstellungsfeier über Bergfeste, Gedenkgottesdienste und Konzerte bis zu Barbarafeiern, Jubilarehrungen und der Verabschiedung in festlichem Rahmen. Die Bergmusik gab ihm und seinen Angehörigen zudem Halt und Trost in schweren Stunden der Trauer.

Bis heute gelten die beiden herausragenden Klangkörper des Saarbergbaus, die Bergkapelle Saar und der Saarknappenchor, als „musikalische Botschafter des Saarlandes“. Hierin spiegelt sich die enge Verbindung des Steinkohlebergbaus mit der Entstehung des Saarlandes wider. Die Zeit des aktiven Bergbaus ist seit 2012 vorbei, doch seine Musik, die Bergmusik, lebt in unzähligen Liedern und Kompositionen weiter. Bewusst wird dies in vielen Benefizkonzerten, Gedenkveranstaltungen, Barbarafeiern, bei Jubiläen, Dorffesten oder Theateraufführungen. Dort werden Bergmusikanten und Bergsänger immer noch gerne gehört. Sie sind aktiver Teil des Kulturlebens, der saarländischen Identität.

Bergmusik an der Saar (Eine 200jährige Kulturgeschichte), zu beziehen bei Dr. Björn Jakobs. Email: bjoernjakobs@aol.com