Dieser Tage, genau am 21. Oktober, gedachte man dem 90. Todestag des Arztes, Erzählers und Dramatiker Arthur Schnitzler. So wie Thomas Bernhard im 20. Jahrhundert galt Arthur Schnitzler zur Jahrhundertwende 18/19 als Provokateur per exzellente für die „gehobenen Gesellschaft“ und der Militaria in dieser Zeit. Beide Autoren scheuten nicht davor, kräftig Salz in die nicht verheilten Wunden zu streuen und Missstände in der Gesellschaft aufzudecken.

Sein Theaterstück „Der Reigen“ bietet heute noch Raum für Skandale. Als aber im Jahr 1900 der Text der Novelle „Leutnant Gustl“ in der Weihnachtsbeilage der „Wiener Neuen Freien Presse“ erschien, worin er den Ehrenkodex des Militärs angriff, wurde ihm am 14. Juni 1901 der Offiziersrang als Oberarzt der Reserve aberkannt.

Leutnant Gustl, Solo für Trompete und Blasorchester von Robert Brunnlechner

Über dieses Stück gibt es auch eine eigene Komposition mit gleichen Titel. Der Komponist Robert Brunnlechner schreibt darin: „Gustl, Leutnant der k.u.k. Armee, langweilt sich entsetzlich in der Aufführung eines Oratoriums, für das er eine Karte geschenkt bekommen hat, und beginnt, eigenen Gedanken nachzuhängen: Er sehnt sich nach Kriegsruhm, freut sich auf ein Duell, das am nächsten Tag stattfinden soll. Nach dem Konzert gerät er im Gedränge an der Garderobe in Streit mit einem Bäckermeister, der ihn beschimpft und ihm droht, seinen Säbel zu zerbrechen. Dem militärischen Ehrenkodex gemäß gerät Gustl in eine Zwickmühle: Da sein Kontrahent als einfacher Handwerker nicht satisfaktionsfähig ist, kann er diesen nicht zum Duell fordern. Völlig konsterniert irrt er nächtens in der Stadt herum und landet im Prater, wo er zum Schluss kommt, er müsse sich erschießen. Als er morgens in sein Stammcafé kommt, erfährt er vom Ober, dass besagter Bäckermeister in der Nacht überraschend verstorben ist. Da dieser nun niemandem mehr von dem peinlichen Vorfall erzählen kann, sieht sich Gustl gerettet und macht sich voller Tatendrang auf zum verabredeten Duell.

Diese Novelle Arthur Schnitzlers entfachte 1900 einen veritablen Skandal, da es der Autor gewagt hatte, überkommene Ehrbegriffe und Standesdünkel der bislang unantastbaren Armee derart drastisch zu persiflieren, begründete aber auch seinen literarischen Weltruhm.“

Nachdem Christian Löw, Trompeter bei den Wiener Symphonikern, den Komponisten bereits vor geraumer Zeit ermuntert hat, ein solistisches Werk für ihn zu schreiben, dieser andererseits schon länger mit dem Gedanken spielte, den gerade für Blasmusik sehr reizvollen Leutnant Gustl-Stoff musikalisch zu behandeln, entstand aus der Verknüpfung der beiden Ideen dieser Hybrid aus einer programmatischen Tondichtung und einem Instrumentalkonzert, wobei der Charakter des Gustl durch die Solotrompete virtuos und humorvoll dargestellt wird.

Stilistisch knüpft das Werk naheliegenderweise an die österreichische Militärmusiktradition an, mit motivischen Bezügen zu zwei Schlüsselwerken des frühen 20. Jahrhunderts, die sich ebenfalls mit Militärthematik auseinandersetzen: Strawinskys Geschichte vom Soldaten und Bergs Wozzeck.

Arthur Schnitzler wurde am 15. Mai 1862 geboren, und würde im kommenden Jahr seinen 160. Geburtstag feiern. Ein schöner Anlass, mit dem Solo-Stück für Trompete „Leutnant Gustl“ dem Dichter zu gedenken. Die Noten sind nur als Download direkt vom Verlag lieferbar.