Wer sich als Trompeter in der drei-gestrichenen Oktave zu bewegen weiß, gilt schon alleine deswegen als Seltenheit in der Branche.

Bei Jonny Hartl kamen noch sehr viel mehr Fähigkeiten dazu. Er galt weitum als gefragter Arrangeur für Blasmusik, der auch selbst eindrucksvoll zu komponieren verstand. Die Archive vieler Blasmusikgruppen sind voll von Hartls Werken, der zudem als Spezialist für Big Bands galt.

Leicht hatten es Musiker nicht, wenn Jonny ihr Dirigent war, schließlich zeichnete ihn ein absolutes Gehör aus, der falsche Töne schon im Ansatz ortete. Die Trompete war Hartls Instrument von Kindheit an, ohne dass er es je in einer Schule gelernt hätte. „Das meiste hat er sich selbst beigebracht“, sagt Sohn Gerald Hartl, der nie von einer grundlegenden Musikausbildung seines Vaters gehört hat.

Freilich, Musik war in der Familie Hartls immer ein Thema. „Schon mit 13 hat Jonny in der Schleißheimer Kapelle mitgespielt“, sagt der jetzige Musikvereins-Obmann Hans-Peter Huber, „mit 15 war er erster Trompeter, mit 17 hat er alle Soli gespielt, 16 Jahre war er dann unser Kapellmeister.“

Hartl lernte Fliesenleger, diesen Beruf übte er aber nicht lange aus. Die Militärmusik zog ihn in ihren Bann, er blieb beim Bundesheer. Sein letzter Dienstgrad war der des Vizeleutnants. 318 Arrangements für Blasorchester und verschiedene Ensembles sind offiziell registriert, für deren Erstellung arbeitete Jonny oft nächtelang, „ohne zu fragen, was er dafür an Überstunden oder Geld bekäme“, sagt sein Kollege Vizeleutnant Josef Strasser.

Nach 40 Jahren engagierter Arbeit musste Hartl die Militärmusik 2015 aufgrund von Strukturmaßnahmen verlassen. Ein Faktum, das ihm auch gesundheitlich zugesetzt haben dürfte. Denn als es für die Militärmusik politisch wieder bergauf ging, konnte Hartl nicht mehr zurück, zu angeschlagen war inzwischen seine Gesundheit. Gelenksprobleme und eine starke Sehschwäche schränkten ihn massiv ein, zuletzt waren es ernste Probleme an der Lunge, die sein Leben beeinträchtigten.

„Er war die letzte Zeit bettlägerig, dort hörte er sich mit Vorliebe die von ihm arrangierten Stücke an“, sagt Gattin Christa. Aufnahmen davon gibt es jede Menge. Alois Hummer, gefragter Tonmeister im ORF, bestätigt die Professionalität Hartls: „Er war gemütlich, unaufgeregt und sicher unter seinem Wert geschlagen.“

Jonnys Bescheidenheit und Menschlichkeit bleibt vielen seinen Freunden neben seinen Werken auch weiter in Erinnerung. Er hinterlässt neben seiner Gattin Christa die Söhne Gerald und Mario, sowie sieben Enkelkinder.

Quelle: Bert Brandstetter, OÖNachrichten

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