Ein Ballet in drei Akten mit 50 Minuten Spieldauer

Hieronimus Bosch

„Im Garten der Lüste“ Triptychon von Hieronimus Bosch

Hieronimus Bosch’s geheimnisvolle Bilder geben Fachleuten große Rätsel auf. Sie sind vieldeutig zu interpretieren. Im Besonderen das Triptychon-Bild „Der Garten der Lüste„, das von der Erschaffung der Welt bis zum apokalyptischen Ende fast prophetisch anmutende Szenen darstellt, ist oft Mittelpunkt Fachkritischer Expertisen.

Mit einer Gesamtdauer von ca 50 Minuten hat der amerikanische Komponisten Leroy Osmon ein ebenso monumentales musikalisches Werk geschaffen, wie es dieses Bild „Der Garten der Lüste“ darstellt. Das Ballett besteht aus einer „Einführung“, drei „Acts“ (jeweils mit vier „Szenen“) und einem „Zwischenspiel“ vor „Act III“. Die Titel für jeden Act und Scene stammen direkt aus bestimmten Abschnitten des Bosch-Gemäldes. Die Inspiration für die einzelnen Abschnitte kam von der Malerei als Ganzes sowie von den kleinsten Bildern innerhalb des Bildes. Die verschiedenen Stile der Musik stehen in direktem Zusammenhang mit den Bildern auf der Leinwand: vom Brutalen zum Erhabenen, vom Abstrakten zum Realistischen. Das Ballett ist, wie das Gemälde, ein Triptychon (die drei Apostelgeschichten) und die Einleitung (der dritte Tag der Schöpfung) stellt die obere Tafel des Gemäldes dar. Die Musik ist eine grafische Darstellung des Bosch-Gemäldes und folgt der gleichen biblischen Erzählung.

Leroy Osmon, Komponist

Der Komponist Leroy Osmon lebte und arbeitete mehrere Jahre im mexikanischen Staat Veracruz und war mit mehreren Mitgliedern der „Banda Sinfonice Del Gobierno Del Estado“ persönlich befreundet. Er komponierte viele der Solo-Passagen mit Blick auf seine Freunde. Die Rolle des Bassposaunisten verkörperte den Teufel aus Boschs Vision des Bösen.

Akt I repräsentiert die linke Tafel und stellt die Darstellung von Adam und Eva, der Schlange, verschiedener Raubtiere und des Untergangs von Eden dar.

Akt II präsentiert Noah (dargestellt durch das kontinuierliche Spielen eines zweistimmigen Motivs), Lust, Erotik und die Verletzbarkeit der Unschuld, komplett mit einer Besetzung von nackten Figuren und fantastischen Tieren.

Akt III, das rechte Panel, hat von den Kunsttheoretikern als „Höllenlandschaft beschrieben und porträtiert die Schildkröten der Verdammnis“ durch einen Tanz der pervertierten Liebe und Lust, des Todes und der Eitelkeit und endet mit einem halluzinierenden Alptraum. Obwohl Historiker und Kritiker das Gemälde durchaus als didaktische Warnung vor den Gefahren der Verdammnis des Lebens interpretiert haben mögen, betrachtete der Komponist Leroy Osmon das Gemälde als Darstellung eines wahren Grades irdischer Freuden; einen erotischen Garten, den der amerikanische Schriftsteller Peter S. Beagle als „einen Ort voller Berauschung und vollkommener Freiheit“ bezeichnete.

Osmonds Ballett stellt ein musikalisches Panorama dieses verlorenen Paradieses dar. In diesen Kompositionen sind mehrere Werke des Komponisten vertreten. Als dem Komponisten der Auftrag zu diesem Balletts überreicht wurde, arbeitete Osmon an einer Hommage an Ravel und den Überarbeitungen eines frühen Klavierkonzertes. Es wurde beschlossen, beide Werke mit neuem Material ins Ballett aufzunehmen. Es gibt drei direkte Bezüge zu Ravel (dem Komponisten, den Osmon als „Definition meiner harmonischen Welt“ bezeichnet), sowie zwei komplette Sätze des Klavierkonzerts, die ins Ballett eingingen. Es gibt kurze Momente von anderen Komponisten – unter anderem Ives, Grainger, Alwyn, Lloyd und Revueltas -, die den Komponisten Leroy Osmon seit mehr als 50 Jahren harmonisch und rhythmisch inspirieren und leiten.

Ein Werk, nur für höchste Leistungsorchester (SW-Grad 6) und mit 50 Minuten eines, das volle Konzentration benötigt.
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